Kurze Röcke, lange Gedankengänge
Geschrieben von Wolfseule am Sonntag, 8 Juni 2008 um 00:28 Uhr
Es ist fast Sommer, es ist heiß, es ist schwül, die Menschen ziehen sich aus, beziehungsweise nicht mehr so viel an wie sonst. Same procedure as every year. Während ich lange Jahre schlicht angewidert war von hemdlosen Gestalten in der Straßenbahn, von heraushängenden Brüsten und Bauarbeiterdekolletes, bin ich in den letzten Jahren dazu übergegangen, das Spiel mitzuspielen. Das heißt, dass ich Damen, die demonstrativ ihren Brustansatz in die Öffentlichkeit tragen, auch demonstrativ hineinstarre, teste, wie weit man unter kurze Röckchen gucken kann und so weiter. Leider Gottes kann ich nicht pfeifen, ich würds öfter tun. Nicht, weil ich den Anblick pfeifenswert fände, sondern bloß, um ein wenig sinnfreie Verwirrung zu stiften.
Aber in letzter Zeit dreht meine Gedankenspirale immer größere Kreise und während ich großkotzig im kleinen Rock in die Kneipe gehe, und von meiner „Initiative für mehr hässliche Beine in der Öffentlichkeit“ erzähle, zerre ich mitunter doch nervös dran und achte drauf, dass die Knie immer schön zusammen sind. Warum eigentlich ist das so? Schon klar, gesellschaftliche Konstruktion blablabla, Heutzutage gilt als „kurz“ nur noch alles, was kürzer als Mitte Oberschenkel ist, in der Kirche müssen die Schultern bedeckt sein und im Kaiserlichen China rasteten die Männer aus, wenn die Frauen ihre deformierten Füße entblößten. Kennt man alles, das ist auch nicht unbedingt das, was mich beschäftigt. Was mich verwirrt, wie seltsam fest und ortsgebunden diese Regeln sind. Schönes Beispiel hatte ich neulich beim (ahem) O.C. California gucken. Einer Serie, bei der alle immer am Strand oder Pool rumhängen, da auch gerne Parties feiern und die Mädels bei eben diesen gerne im Bikini-Oberteil herumspringen. Als nun zwei Mädels im Schlafzimmer sind und eine Klamotten anprobiert und der Quoten-Nerd der Serie überraschend die Tür aufmacht, fällt ihm beim Anblick des Mädchens in BH die Klappe herunter und er stottert hinterher nur noch „Oh my god, I mean: she was topless“. Fakt ist: sie hatte nicht weniger an, als sonst auch.
Und da gerate ich doch ins Grübeln. Ist die Intimität, die nackte Haut offenbart, an- und abschaltbar? Was soll das Ganze? Worin liegt der Reiz des Ganzen? Und der Nicht-Reiz? Eine Hautfalte hat man schließlich auch zwischen Daumen und Zeigefinger. Verknappung? Weil die meisten Leute scharf darauf sind, etwas zu sehen, was man meistens nicht zu sehen bekommt? Ist das alles? Klingt ein bisschen lahm, finde ich. Ich komme zu keinem Entschluss. Ich bin hin- und her geworfen zwischen der Einstellung: „Mein Körper gehört mir, und ich fühle mich am wohlsten mit viel Stoff um mich herum“ und „Scheiß drauf, funktionalisieren wir diese physische Anhängsel für ein bisschen Guerillakampf“ (meine Methoden sind ein bisschen eklig, die will ich nicht breit treten, aber einen kurzen Rock zu tragen, ist viel angenehmer, wenn man weiß, dass man den Leuten, die gerne unter so was drunter gucken, gut den Spaß vergällen kann).
Bin ich jetzt so verwirrt, weil ich mir nicht vorstellen kann, worin der Reiz des Anguckens liegt? Liegt das daran, weil bei mir der Spaß nach dem Angucken aufhört und meine Phantasie einfach ins Leere läuft? Ich bin Ästhet, ich gucke gerne schöne Menschen an, ohne, dass das bei mir das Bedürfnis nach Aktion auslöst (außer in Extremfällen der Wunsch, meine Kamera zu holen). Ist das bei Sexuellen anders? Löst ein bloßgelegter Oberschenkel unmittelbar Begehren aus? Klänge mir jetzt zu simpel. Wer erklärt es mir?
Kategorie: Allgemein
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Kommentar von Paula Schramm
Erstellt am Donnerstag, 26. Juni 2008 um 23:37 Uhr
hm… ich versuch mal das zu erklären. Also eigentlich kann ich das nur für mich erklären.
Haut an sich ist nicht reizvoll. auch nicht sonstwie und selten entblößte. es ist kontextabhängig. hat mit dem gesamteindruck der Person zu tun. den eindruck den sie in den ersten sekunden vermittelt oder auch dem der sich über tage wochen monate jahre aufbaut.
der reiz äußert sich als das gefühl die person berühren zu wollen. wie wäre das. welche temperatur hat die haut. sind die feinen häärchen weich oder krisselig…
konstruiert ist das sehr wohl, was wir in welcher situation als anziehend empfinden. nicht weniger real dadurch.
das ergibt noch nicht so viel sinn. frag weiter. ich versuch weiter zu antworten.
Ps. das “subscribe to comments”- plugin würde mir jetzt helfen zu merken, dass du geantwortet hast.
gruß paula.